Villa Sedan - das Hotel im Herz Sopot lädt Sie herzlich ein!

historia Villi Sedan

Aus der 130-jährigen Geschichte der Villa Sedan

Sedan, vom lateinischen Wort sedatus, bezeichnet einen ruhigen und stillen Ort. Diesen Namen trägt eine kleine Stadt in Nordfrankreich, in deren Nähe am 1 September 1870 das deutsche Heer, unter Kommando des Feldmarschalls Helmuth von Moltke, erzwang die Kapitulation der 83000-Mann starken Armee von Napoleon dem III., auf diese Weise das Schicksal des Preußisch-französischen Krieges bestimmend.





Erster Bau

Der Name des ein paar Jahre danach geöffneten Hotels, welches sich in der neu gebauten Otto-Bismarck-Strasse, des Auslösers dieses Krieges, befand, bezog sich unbestritten auf die Geschehnisse von Sedan. Um die Jahrhundertwende wurde eine neue Strasse in der Nähe des Hotels, Helmuth-von-Moltke-Strasse genannt und die Strasse, die das Hotel mit dem Hauptspazierweg des Kurortes verband, wurde die Sedaner Strasse. Heute trägt genau diese Strasse den Namen des Generals Josef Bem, die Moltke-Strasse ist heute die Strasse des Generals Stanislaw Fiszer. Das Hotel befindet sich in der Kazimierz-Pulaski-Strasse.

Aus den alten Grundbüchern, die im Gericht von Sopot aufbewahrt werden, ist folgendes zu entnehmen: Im Dezember 1874 kaufte der Danziger Rentier, Adolph von Loewen, ein 1600 qm großes Grundstück für 400 Mark, welches auf der südlichen Seite der Bismarckstrasse lag, die zu dieser Zeit noch unbebaut und ungepflastert war. Im Mai darauffolgenden Jahres nahm er eine Hypothek auf und fing mit dem Bau an. Damit entstand sicher das bis heute bestehende Gebäude der Villa Sedan.

Zwei Jahre später, am 26. April 1877, kaufte der Rentier, Ferdinand Vrumm, von der Witwe von Loewens das bebaute Grundstück für 15.100 Mark, und verkaufte es dann sofort im nächsten Monat weiter für 27.200 Mark, an einen anderen Rentier, Friedrich Reisihlke  so erzählt es Marek Sperski, Professor an der Fakultät für Schiffstechnologie der Technischen Schule in Danzig, ein leidenschaftlicher Forscher der Geschichte von Sopot.

Die polnische Pension

Das von Loewen gebaute Haus ist auf dem Stadtplan Sopots von 1881, herausgegeben in Danzig von Julius Sauer und im darauffolgenden Jahr veröffentlicht, als Beilage zum Stadtführer des Doktor Hermann Benzlers zu sehen. Benzler stellt aber keine Liste der Pensionen in Sopot auf. Also ist es nicht sicher, ob das in diesen Plan sich durch die Größe auszeichnende Gebäude schon 1882 wirklich als Pension funktionierte, - gibt Sperski zu bedenken. Name und Funktion sind erst in Dokumenten der Baupolizei Sopots vom 9. November 1884 zu finden, die in der Zweigstelle des Staatsarchivs in Gdynia aufbewahrt werden. Die Villa Sedan wurde auf dem Stadtplan markiert und beschrieben. Der Plan war Beilage zu Eliza Puttners Touristenführer, welcher 1877 veröffentlicht wurde. Seitdem wird dieser Name fast jährlich unter der Rubrik Pensionen in Sopot in mehr als 20 Reiseführern, Informations- und Adressbüchern erwähnt, die gegen Ende des Ersten Weltkrieges publiziert wurden. Von polnischsprachigen Veröffentlichungen erfahren wir, dass die Villa Sedan eine gern aufgesuchte Pension war, besonders von Polen, die aus allen 3 Teilungsgebieten des Landes kamen. Bemerkenswert ist, dass in drei einander folgenden Ausgaben des Warschauer "Informator dla gosci kapielowych na Pojezierzu kaszubskim" [Informationsbuch für Badeortgäste der Kaschubischen Seenplatte] aus den Jahren 1911-1914, die Villa Sedan als eine der vierzehn 'polnischen Pensionen in Sopot' beschrieben wird.

Ohne Leitungswasser, aber mit Garage

Aus der Werbung der Villa Sedan im Touristenführer 'Ostseebad Zopot' von 1917 erfahren wir, dass die Villa Sedan eine Hotel-Pension der ersten Kategorie ist. Die Zimmer kosten 10 bis 45 Mark pro Woche, hervorragendes Essen wird für 4,50 Mark pro Tag serviert und Ermäßigungsmöglichkeit für weniger Verdienende angeboten. Es wird mit "Elektrischem Licht, Garten, Klavier und der Nähe des Strandes" geworben. Aus weiteren Dokumenten wissen wir, dass mit Inhaber- und Verwaltungswechsel auch der Name geändert wurde. Im Jahre 1922 bekam es den Namen "Hotel Bristol", fünfzehn Jahre darauf wurde es zum "Sporthotel" umbenannt. Das Sporthotel war - wie man dem Touristenführer aus dem Jahre 1939 entnehmen kann, ein ziemlich bescheidenes Hotel, mit 30 Betten, Zimmern ohne Bad und fließend Wasser, aber mit einer Garage für Fahrzeugbesitzer und einem Garten. Es war jedoch nur vom 1. Juni bis zum 30. September geöffnet.

Den Krieg übersteht das Hotel unbeschädigt. Als ehemalig deutschem Besitz zugerechnet, wird es jetzt Staatseigentum. Die im Staatsarchiv aufbewahrte Korrespondenz aus den Jahren 1946-1948 gibt das wechselnde Schicksal des Hotels nach dem Kriege genau wieder.

'Mewa' und Studenten

Im Jahre 1945 werden in dem ehemaligen Hotelgebäude eine Mensa eröffnet, sowie Schlafräume für Beamte und offizielle Gäste der Stadtverwaltung eingerichtet. Schon im Frühling des nächsten Jahres wird dort ein Kurhaus für die Beamten des "Ministeriums für öffentliche Verwaltung" eröffnet. Schon im Oktober 1946 wird an Stelle des Kurhauses das Hotel 'Mewa' (Möwe) eröffnet. Aber nicht lange, denn im Oktober 1947 ziehen dort Studenten der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste ein, sowie die Studenten der neueröffneten Staatlichen Hochschule für Musik in Sopot. Viele Absolventen machten sich einen Namen in der Kunst, sowie in der Schulbildung. Wir sprechen hier von den Malern Wladyslaw Jackiewicz, Roman Usarewicz oder Bohdan Borowski. Zu bekannten Bewohnern von Mewa aus den 50er Jahren zählen auch: Der Maler Andrzej Dyakowski, der Grafiker Wieslaw Debski, sowie die populären und schon zu ihrer Studienzeit satirische Grafiker Jacek Fedorowicz und Zbigniew Jujka.

Männersachen

"Es war ein kleines Studentenheim. Die Mädchen wohnten um die Ecke", erinnert sich Zbigniew Jujka, der damals einzige Fahrzeughalter, der in Mewa wohnte. Er war Besitzer eines Jawa-Motorrades, das er sich für das Geld kaufte, welches er für künstlerische Bemalungen der Wände in Kneipen bekam. Jujka erinnert sich an nächtliche Diskussionen bei Wein, - ohne "Schnapssauferei" -. Manchmal saßen wir zusammen und plötzlich kam jemand und sagte:"In Warschau wird morgen dieses und jenes gespielt." So gingen wir zum Bahnhof und halb Zwölf in der Nacht fuhren wir mit dem Zug nach Warschau. Nach sieben Stunden Fahrt waren wir da. Am Abend die Aufführung und dann die nächtliche Heimfahrt. Zu dieser Zeit waren in Mewa auch Bogumi Kobiela, Zbyszek Cybulski und viele andere Schauspieler zu sehen. Im Erdgeschoss gab das Theater 'Co to' (Was ist`s) seine Aufführungen. Jerzy Afanasjew, der inzwischen verstorbene Dichter und Regisseur, der selbst nicht im Mewa wohnte, erinnert sich an seine Besuche:"Oft abends im Mewa, ganz oben, versammelten wir uns zum 'Frauenaufreißen". Ein kleines Zimmer mit einem noch kleineren Fenster wurde zum Salon. Ein paar Gipsabgüsse, die Maske der "ertrunkenen Frau von der Seine" und Skulpturen schmücken den Raum während vertrockneter türkischer Pfeffer in Schlangenlinien an der Wand hing. Man hockte auf dem Fußboden und diejenigen, die keinen Platz fanden, standen erzählend im Korridor. Man tauschte Ideen aus, diskutierte und zeichnete. Die Sänger trugen eigene Lieder vor oder das Neueste aus Paris oder Italien.'

Studentenheim und Musiktheorie

Dort traf auch Jerzy Afanasjew seine künftige Frau, Alina Ronczewska. Ich sah ihn das erste Mal in dem Künstlercafe SPATIF. Er kam die Treppe herunter, hielt auf einmal und sagte: "Weil mir Blumen auf dem Kopf wachsen." Er hat mir sehr gefallen. Später trafen wir uns ein paar Mal im Mewa, erinnert sich Alina Afanasjew.

Im Jahre 1967 ist die Pension kein Wohnheim mehr. Die Fakultät für Musiktheorie der Staatlichen Hochschule für Musik hat die Zimmer für Ateliers und Vorlesungsräume adaptiert. Noch 10 Jahre haben hier Studenten der beiden Kunsthochschulen ihre Fremdsprachenkenntnisse erweitert. Im Dezember 1993 erwirbt die Musikakademie in Danzig die ehemalige Pension von der Stadt für eine zu dieser Zeit wegen der Inflation unvorstellbar hohe Summe von 1 Milliarde 350 Millionen Zloty. 1997 wird das Gebäude Besitz der Gdanskie Towarzystwo Inwestycyjne, einer Investitionsgesellschaft. Man beginnt nun mit der kompletten Sanierung.

Ein schönes, altes Haus

Es wurden Büroflächen gebraucht. So fängt die neuere Geschichte der Villa Sedan an. Malgorzata Dobrowolska, Inhaberin des Gebäudes, kommt jedoch zu der Entscheidung, es wäre Schade, ein schönes altes Haus in ein Büro umzuwandeln. Es wurde durch den genius loci und den Zeitgeist errichtet und man spürt ihn hier. So entschied sie, der Villa Sedan ihre ehemalige Funktion wieder zu geben.

Es lohnt sich nicht davon zu erzählen, wie Wände abgerissen und aufgebaut wurden, wie Kilometer von Kabeln verlegt und neue Decken eingezogen wurden. Bemerkenswert sind aber die Arbeiten in den Kellerräumen, deren Decken so niedrig waren, dass ein Erwachsener nicht aufrecht stehen konnte. Die technischen Voraussetzungen, aus der Villa Sedan ein Hotel zu machen, waren die Verstärkung und Vertiefung der Fundamente. So musste in mühsamer Handarbeit, unter stetem Risiko eines Stabilitätsverlustes, das ganze Gebäude neu unterfangen werden.

Ich habe den englischen König bedient

Am 16 Februar 2002 wird die Villa Sedan neu eröffnet. Am Nachmittag kommen die ersten Besucher - Freunde. Ehrengast ist der Geist des Bohumil Hrabal. "Hrabal und sein Roman - Ich habe den englischen König bedient - erzählt die Geschichte eines jungen Prager Kellners, der davon träumt, ein eigenes Hotel zu bauen. Und es gelingt ihm auch. Als er mit dem Bau fertig ist, genau zum Ende des II. Weltkrieges, kommt die kommunistische Regierung an die Macht und nimmt ihm das Hotel weg. Damit verlor er auch gleichzeitig eine erträumte, erwartete Welt.

"Ich will natürlich nicht, dass diese Konnotationen auch hier so weit gehen", lacht Herr Arabski:"Obwohl wir in Sopot, und nicht in Prag sind, die Atmosphäre dieses Ortes entspricht der Atmosphäre des hrabalschen Prags der Zwischenkriegszeit. Hrabals Prosa zeigt uns nicht nur das Grosse, wie die Gemeinschaft in Mitteleuropa, sondern auch das Kleine. Dass Träume verwirklicht werden können, überall auf der Welt, und dass das alltägliche Leben pure Freude bringen kann. Hrabal", so Tomasz Arabski weiter:"ist ein positives Zeichen für die Zukunft der Villa Sedan. Ich hoffe, es wird ein guter Ort werden, wo Menschen, sowohl diejenigen, die hier arbeiten, als auch die Gäste, Freude an der Gemeinschaft empfinden." An diesem Abend treffen sich zwei literarische Traditionen - die Prager und Sopoter Tradition -. Pawel Huelle, Autor des Romans 'Mercedes-Benz', in welchem er sich auf Hrabal bezieht, erzählt, warum er Hrabal liebt, und der Schauspieler Krzysztof Gordon liest Teile des Romans 'Ich habe den englischen König bedient.'






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